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Status Quo

Wie steht es um den Wald?

Ein Blick auf aktuelle Chancen und Herausforderungen der Wälder in Deutschland

Status quo deutscher Wald: Wie steht es um ihn?

Der deutsche Wald ist mehr als nur eine idyllische Landschaft. Er ist ein unverzichtbarer Teil unseres Lebens und spielt eine zentrale Rolle für Klimaschutz, Biodiversität und die nachhaltige Nutzung des wichtigen Rohstoffes Holz. Doch wie steht es aktuell um die Wälder in Deutschland? Die jüngsten Ergebnisse der vierten Bundeswaldinventur liefern spannende Einblicke in den Zustand heimischer Wälder. Der Bericht zeigt: Der Wald in Deutschland befindet sich im Wandel – er steht vor großen Herausforderungen, hat aber auch viel Potenzial.

Holz

Bundeswaldinventur: Das Wichtigste in Kürze

  • Waldfläche bleibt stabil: Deutschland ist zu gut einem Drittel von Wald bedeckt, mit einer leichten Zunahme auf 11,5 Millionen Hektar.
  • Klimaschutz und Kohlenstoffspeicher: Der deutsche Wald speichert über eine Milliarde Tonnen Kohlenstoff, leidet aber zunehmend unter dem Klimawandel, was den Speicher insgesamt weniger zuverlässig werden lässt.
  • Privatbesitz wichtiger Faktor: 48 Prozent des Waldes befinden sich in Privatbesitz, was die Bewirtschaftung erschwert, gerade wenn es sich um sehr viele sehr kleine Flächen handelt. Der durchschnittliche Privatwald in Deutschland ist gerade einmal 2,5 ha groß.
  • Artenvielfalt nimmt zu: Immer mehr Tier und Pflanzenarten finden sich in unserem Wald, inzwischen ein langanhaltender, positiver Trend.
  • Europaweit größter Holzvorrat: Deutschland besitzt trotz der großen Waldschäden der vergangenen Jahre immer noch den größten Holzvorrat in Europa mit 3,7 Milliarden Kubikmetern.

Waldfläche in Deutschland: Stabilität trotz Herausforderungen

Mit rund 11,5 Millionen Hektar Waldfläche bedeckt der deutsche Wald etwa 32 Prozent der gesamten Landesfläche und stellt damit die zweithäufigste Landnutzungsform nach der Landwirtschaft dar. Seit der letzten Bundeswaldinventur hat die Waldfläche um 15.000 Hektar und damit leicht zugenommen. Das ist angesichts der intensiven Nutzungskonkurrenz für Flächen – sei es für Siedlungen, Infrastruktur oder Landwirtschaft – ein bemerkenswerter Erfolg. Diese Entwicklung unterstreicht die Bedeutung des Waldes als wertvolle und wichtige Ressource.

Denn: Jeder zusätzliche Hektar trägt zur CO₂-Bindung bei und hilft, den Klimawandel zu bremsen. Dies zeigt, wie wertvoll der deutsche Wald nicht nur als Rohstofflieferant, sondern auch als natürliche Kohlenstoffsenke ist.

Baumarten: Eine neue Nummer Eins

Die vorhandene Waldfläche ist jedoch nicht unverändert geblieben. Der Klimawandel hinterlässt sichtbare Spuren: Insbesondere die letzten Dürrejahre und der Befall durch den Borkenkäfer haben dem deutschen Wald zugesetzt. Gerade die Fichte, die viele Jahrzehnte lang als wirtschaftlich bedeutendste und häufigste Baumart galt, hat stark gelitten. In vielen Regionen sind große Flächen abgestorben. Das hat dazu geführt, dass der Fichtenbestand um 17 Prozent zurückgegangen ist. Damit hat die Kiefer die Fichte als häufigste Baumart abgelöst. Neben Fichte und Kiefer sind bei den Laubbäumen Eiche und Buche die häufigsten Baumarten im Wald.

Doch es gibt auch positive Entwicklungen: Mischwälder gewinnen zunehmend an Bedeutung, insbesondere durch den aktiven Waldumbau, der gezielt widerstandsfähigere und klimaangepasste Baumarten fördert. So liegt der Anteil an Mischwald mit verschiedenen Baumarten inzwischen bei 79% der Fläche.

Hoffnungsträger für einen klimaresilienten Wald im Bereich der Nadelbäume sind auf vielen trockener werdenden Standorten die Tanne und die Douglasie. Letzterer werden gute technische Holzeigenschaften zugeschrieben und eine hohe Kohlenstoffbindekapazität.

Exkurs: Der Borkenkäfer – Eine Bedrohung für den deutschen Wald

Der Borkenkäfer verursacht in Deutschland große Schäden in Nadelwäldern, insbesondere in Fichtenbeständen. Interessant: In einem gesunden Wald würde der Borkenkäfer lediglich absterbende oder kranke Bäume befallen und so einen natürlichen Kreislauf unterstützen. Doch durch den Klimawandel und die daraus resultierende Schwächung vieler Bäume – vor allem durch Dürre und Hitze – können sich die Käfer auch in gesunden Bäumen rasch vermehren und durch ihre Masse ganze Waldbestände zum Absterben bringen. Der Borkenkäfer ist damit ein Paradebeispiel dafür, wie stark der Klimawandel in das natürliche Gleichgewicht der Wälder eingreift.

Warum gilt der Borkenkäfer als Schädling? Der Käfer bohrt sich unter die Baumrinde, um dort seine Brutgänge anzulegen. Die Larven, die in den Baum eindringen, zerstören das nährstoffführende Gewebe, was in kurzer Zeit zum Absterben des Baumes führt. Vor allem Fichten sind durch ihre flache Wurzelstruktur besonders anfällig für sinkende Grundwasserspiegel bei Dürre und somit leichte Beute für den Käfer.

Die enorme Vermehrungsrate des Borkenkäfers verschärft das Problem. In warmen Jahren kann er mehrere Generationen pro Jahr hervorbringen. Ein Käferweibchen kann so in nur einer Vegetationsperiode bis zu 250.000 Nachkommen haben. Durch die immens schnelle Ausbreitung kann der Borkenkäfer innerhalb weniger Monate ganze Waldflächen zerstören. Die Bekämpfung erfordert schnelles Handeln: Befallene Bäume müssen gefällt und aus dem Wald entfernt werden, um die Verbreitung der Käfer einzudämmen. Forstwirtschaftlich gesehen führt dies nicht nur zu Verlusten durch den Schädlingsbefall, sondern auch zu wirtschaftlichen Einbußen, da die übergroßen angefallenen Holzmengen nicht schnell genug verarbeitet werden können und das lange Liegen im Wald zu Qualitätseinbußen beim Holz führen kann.

Klimaschutzfunktion: Wälder als Bollwerk gegen den Klimawandel

Wälder sind nicht nur ein Ort der Erholung, sie sind auch unsere natürlichen Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel. Schließlich speichern sie große Mengen an Kohlenstoff und tragen damit wesentlich zur Reduktion von Treibhausgasen bei. Deutschland ist stolz auf seine 1.184 Millionen Tonnen Kohlenstoff, die in den lebenden Bäumen des Waldes gebunden sind, in manchen Waldgebieten ist der Holzvorrat sogar eigentlich schon zu hoch, um noch stabil zu sein, hier müsste dringend mehr Holz geerntet werden. Gleichzeitig binden die geernteten Bäume den Kohlenstoff in Holzprodukten und ersetzen klimaschädliche Materialien. Durch die Ernte wird im Wald auch immer wieder neuer Platz für junge Bäume geschaffen. Doch die Klimakrise macht auch dem Wald schwer zu schaffen: Dürreperioden und hartnäckige Schädlinge wie der Borkenkäfer haben in den letzten Jahren immense Schäden verursacht. Die Folge: Der Kohlenstoffspeicher wird zunehmend unzuverlässig und instabil.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Wälder ihre Rolle im Klimaschutz verloren haben. Mit gezielten Aufforstungs- und Umbaumaßnahmen können Wälder wieder stabilisiert werden. Dabei setzt die Forstwirtschaft zunehmend auf Mischwälder und klimaresiliente Baumarten. Die Zukunft der Wälder hängt maßgeblich davon ab, wie gut es gelingt, diese Anpassungsmaßnahmen voranzutreiben.

Artenvielfalt im deutschen Wald: Ein lebendiger Lebensraum

Der deutsche Wald wird immer vielfältiger – eine positive Entwicklung, die Hoffnung macht. Die Struktur der Wälder wird komplexer und artenreicher. Mischwälder prägen mittlerweile 79 Prozent der Waldfläche. Ein klarer Fortschritt im Vergleich zu früheren Jahrzehnten, in denen Reinbestände mit nur einer Baumart überwogen. Diese Artenvielfalt ist nicht nur schön anzusehen, sondern macht die Wälder auch widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel und rüstet sie damit für die Zukunft.

Wem gehört der deutsche Wald? – Ein Blick auf die Eigentumsverhältnisse

In Deutschland befindet sich fast die Hälfte des Waldes in Privatbesitz (48 Prozent), der Rest gehört den Ländern, Kommunen oder dem Bund. Besonders im ländlichen Raum dominieren kleine Privatwälder, im Durchschnitt nur mit einer Größe von 2,5 Hektar. Diese kleinen Wälder bringen besondere Herausforderungen mit sich, denn viele kleine Waldbesitzer bewirtschaften ihren Wald nicht ausreichend. Gezielte Förderprogramme und Beratungen könnten die Eigentümer unterstützen.

Eine wichtige Aufgabe für die Zukunft, denn auch in den kleinen Wäldern von Privatbesitzern schlummert in Summe oft großes Potenzial. Nur mit der richtigen Unterstützung können auch ihre kleinen Flächen zu klimastabilen Wäldern umgebaut werden.

Strukturreiche Wälder – Stärker durch Vielfalt

Eine weitere erfreuliche Entwicklung zeigt sich in der zunehmenden Strukturvielfalt der deutschen Wälder. Rund 77 Prozent der Wälder sind heute zwei- oder mehrschichtig aufgebaut, also mit mehreren unterschiedlichen Altersstufen von Bäumen im selben Wald. Diese Struktur sorgt für eine stärkere Widerstandsfähigkeit gegenüber klimatischen Veränderungen.

Totholz und Biodiversität im deutschen Wald

Auch die Menge an Totholz ist in den deutschen Wäldern gestiegen. Der Totholzbestand beträgt nun 29,4 m³ pro Hektar – eine Zunahme um ein Drittel seit der letzten Erhebung. Totholz spielt eine wichtige Rolle für die Biodiversität, da es Lebensraum für viele Organismen bietet. Gleichzeitig erhöht Totholz auch das Risiko für Waldbrände.

Deutschlands Holzvorräte: Europas größter Schatz

Deutschland ist europaweit führend, wenn es um den Holzvorrat geht. Mit 3,7 Milliarden Kubikmetern Holz verfügt Deutschland über die größten Reserven in Europa. Dabei ist Holz nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein wirtschaftliches Gut von immensem Wert. Es ist ein nachwachsender Rohstoff, der in vielen Industrien – von der Möbelproduktion über den Hausbau bis zur Energiegewinnung – unverzichtbar ist.

Die nachhaltige Forstwirtschaft Deutschlands sorgt dafür, dass trotz der Nutzung der Holzvorrat langfristig stabil bleibt. Wo Vorräte zu groß werden, können sie dem Wald aber auch instabil machen und anfälliger für Sturm- oder Insektenschäden, hier muss manchmal verstärkt geerntet und der Vorrat gezielt verringert werden, damit das Ökosystem keinen Schaden nimmt.

 

Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft: Die Wurzeln des Prinzips

Dass Deutschland heute eine Vorreiterrolle in der nachhaltigen Waldbewirtschaftung einnimmt, ist kein Zufall. Der Gedanke der Nachhaltigkeit geht auf Hans Carl von Carlowitz zurück, der bereits im 18. Jahrhundert als Begründer des Prinzips gilt. Er erkannte früh, dass Wälder nur dann dauerhaft genutzt werden können, wenn sie sich regenerieren können. Von Carlowitz legte damit den Grundstein für eine Forstwirtschaft, die auch heute noch dem Prinzip der Nachhaltigkeit verpflichtet ist. Dieser Gedanke prägt die deutsche Forst- und Holzwirtschaft bis heute.

Der deutsche Wald – eine Zukunftsaufgabe

Der Wald in Deutschland steht vor großen Herausforderungen, doch er ist auch ein Symbol für Anpassung und Widerstandskraft. Klimawandel, Schädlinge und Extremwetterereignisse haben bereits jetzt deutliche Spuren hinterlassen. Aber es gibt auch positive Entwicklungen, wie eine größere Artenvielfalt und die zunehmende Rolle des deutschen Waldes im Klimaschutz.

Die nachhaltige Nutzung der Wälder bleibt der Schlüssel, um die wertvolle Ressource Holz auch für zukünftige Generationen zu bewahren. Die deutsche Forst- und Holzwirtschaft steht dabei als verlässlicher Partner an der Seite des Waldes. Gemeinsam mit den Waldbesitzern und der Politik gilt es, den Wald zu schützen, zu pflegen und als wichtige Rohstoffquelle zu erhalten – im Sinne einer nachhaltigen und klimafreundlichen Zukunft.

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